Es gibt nur wenige Einrichtungen mit der notwendigen Erfahrung und den erforderlichen standardisierten Abläufen, um HIV-infizierte Patienten mit Kinderwunsch zu betreuen. Barcelona und Mailand waren Vorreiter in der Entwicklung dieser Techniken. Das eigentliche Verfahren besteht im Wesentlichen in der Waschung und Aufbereitung der Spermien, die später für die künstliche Befruchtung benutzt werden.
Auch wenn der Prozess der künstlichen Befruchtung mit dem zuvor aufbereiteten Sperma in Barcelona durchgeführt werden muss, können in einigen Fällen die im Vorfeld nötigen Untersuchungen sowie die hormonelle Vorbereitung der Frau auch in der eigenen Stadt oder in der Region des Paares effizient durchgeführt werden.
Der gesamte Vorgang wird auf dem Postweg oder über das Internet koordiniert. Viele Paare, die nicht in Barcelona wohnen, haben somit bequemen Zugang zu diesen Techniken und können Kosten sparen, da sie nur zu den wirklich unerlässlichen Arztterminen anreisen müssen.
Notwendige Zusatzuntersuchungen beim Mann:
Vor Anwendung der Technik werden sowohl vom Mann als auch von der Frau eine Reihe von Untersuchungsergebnissen ergänzender Analysen und Tests benötigt. Diese Untersuchungsbefunde kann das Paar auch an seinem Wohnort erhalten, oftmals in Zusammenarbeit mit dem Facharzt für Infektionskrankheiten, der ihren Fall betreut. Für die Untersuchung werden vom Mann benötigt:
- Spermiogramm. Es handelt sich hierbei nicht um ein Routine-Spermiogramm, sondern es soll insbesondere festgestellt werden, welches Befruchtungspotenzial das Sperma des Mannes nach dem Waschungs- und Aufbereitungsverfahren hat.
Bis vor einigen Jahren konnten wir mithilfe des PCR-Verfahrens innerhalb weniger Stunden feststellen, ob die abgegebene Samenprobe für eine Befruchtung geeignet war. Heute ist dieser Test nicht mehr möglich und wir erhalten das Ergebnis erst in 2 oder 3 Tagen. Aufgrund dieser technischen Änderung kann eine künstliche Befruchtung nicht mehr mit frischem Sperma durchgeführt werden, sondern nur mit eingefrorenen Spermien.Mit den Labor-KITS, die seit einigen Jahren für die PCR-Bestimmung eingesetzt werden, liegt bereits nach wenigen Stunden ein Ergebnis vor, so dass die frische Spermaprobe am Tag der Befruchtung verwendet werden kann.Das lange Verfahren zur Waschung des Spermas, um es vom Virus zu befreien, und die Notwendigkeit, mit eingefrorenen Spermien arbeiten zu müssen, führen oftmals dazu, dass die abschließende Spermaqualität für eine künstliche Befruchtung nicht geeignet ist und daher direkt eine IVF-ICSI empfohlen wird.
- Blutanalyse. Sie wird benötigt, um die Krankheit zu kontrollieren und mögliche Koinfektionen festzustellen. Sie beinhaltet ein komplettes Hämogramm, Leber- und Nierenwerte, serologische Untersuchungen (HBsAg, anti-HC, Syphilis) und eine HIV-Kontrolle (Virenlast und CD4 Zellanzahl). Diese Untersuchungen können am Wohnort durchgeführt werden.
- Harnröhrenabstrich. Gelegentlich wird ein Harnröhrenabstrich durchgeführt, um sexuell übertragbare Krankheiten (STD) wie Gonokokken und Chlamydien auszuschließen. Der Mann kann entweder entsprechende Untersuchungsergebnisse mitbringen oder aber die Untersuchung in Barcelona erfolgen lassen.
- Gutachten des Facharztes für Infektionskrankheiten.Es sollte vom eigenen Facharzt erstellt werden, der die Grunderkrankung des Mannes überwacht und den klinischen Verlauf genauestens kennt. Es handelt sich um ein Gutachten, in dem der aktuelle Krankheitszustand bewertet und die Behandlung genau festgelegt wird. Dazu wird ein Vordruck benutzt, der die Übermittlung dieser Informationen für den Facharzt einfacher gestalten soll.
- Psychologisches Gutachten. Ein solches Gutachten ist nur dann nötig, wenn der Mann eine Drogenersatztherapie macht oder mit Psychopharmaka behandelt wird.
Notwendige Zusatzuntersuchungen bei der Frau
- Gynäkologische Untersuchung. Sie umfasst eine aktualisierte zytologische Analyse und einen transvaginalen Ultraschall zur Abschätzung der ovariellen Reserve. Die Befunde können mitgebracht oder beim ersten Besuch in Barcelona erhoben werden.
- Blutanalyse. Sie beinhaltet ein komplettes Blutbild, Leber- und Nierenwerte, serologische Untersuchungen (HBsAg, anti-HBs, anti-HCV, Röteln, Syphilis, HIV), Blutgruppe und Rhesusfaktor. Diese Tests werden vor der Empfängnis benötigt, um im Fall des Erfolgs bzw. einer Schwangerschaft korrekte Bewertungen durchführen zu können. Aktuelle Untersuchungsergebnisse können von zu hause mitgebracht werden.
- Hormonanalyse. Diese Untersuchung wird am dritten Tag des Menstruationszyklus durchgeführt und kontrolliert den Spiegel an FSH, LH und 17ß-Östradiol. Sollte dieser Tag auf einen Feiertag fallen, kann die Analyse auch zwischen dem 2. und 4. Tag des Zyklus gemacht werden. Die Tests können auch am Wohnort der Frau gemacht werden. Diese Untersuchung ist nicht immer zwingend erforderlich.
- Genitalabstrich. Dieser Test ist in einigen Fällen erforderlich, um sexuell übertragbare Krankheiten (Gonokokken und Chlamydien) auszuschließen. Der Befund kann auch mitgebracht werden.
- Hysterosalpingographie. Es handelt sich um eine Röntgenaufnahme mit Kontrastmittel, die die Durchlässigkeit der Eileiter untersucht. Sie wird vorzugsweise zwischen dem 8. und 12. Tag des Zyklus gemacht. Diese Untersuchung ist nicht in allen Fällen erforderlich und kann auch am Wohnort durchgeführt werden.
- Bestimmung der Viruslast mittels PCR. Sie muss während des Befruchtungszyklus und kurz vor der Befruchtung erfolgen. Im Falle einer Schwangerschaft muss alle 3 Monate bis zur Geburt ein HIV-Antikörpertest durchgeführt werden, um die Seronegativität zu kontrollieren.
Voraussetzungen für die Befruchtung
Seitens des Mannes muss der Infektionsprozess stabil sein, das heißt, dass gegenwärtig keine Krankheit festgestellt wurde und er sich in einem guten Allgemeinzustand befindet. Außerdem muss ein aktueller Krankenbericht seines Facharztes vorgelegt werden, der als kompetente Meinung zum aktuellen Gesundheitszustand des Patienten dient. Außerdem muss die aufbereitete Samenprobe für eine Befruchtung geeignet sein, mit anderen Worten: die Spermien müssen eine bestimmte Konzentration und Mobilität aufweisen.
Die Grundvoraussetzung bei der Frau ist, dass sie HIV-negativ ist. Sollte auch die Frau Trägerin des HIV-Virus sein, gelten die gleichen Bedingungen wie beim Mann und es kommen andere Techniken der assistierten Reproduktion in Frage, wie z.B. eine In-vitro-Fertilisation.
Um den Erfolg dieser Techniken zu optimieren und die Zahl der Befruchtungen zu verringern, werden sie in medikamentös eingeleiteten Zyklen ausgeführt. Das Paar muss eine Einwilligung nach erfolgter Aufklärung unterschreiben.